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1. Symptome
a) Erscheinungsformen des PAS
b) Das Elliot Institut
c) Psychische Symptome
d) Psychosomatische Symptome
e) Rein physische Folgen
f) Die Entwicklung von Konflikten im Umfeld von Abtreibung
g) Männer und Schwangerschaftskonflikte
2. Der Heilungsprozess

Das Post-Abortion-Syndrom

Die Wissenschaft bezeichnet das Post-Abortion-Syndrom (PAS = Krankheitsbild nach Abtreibung) als einen Komplex psychischer Symptome. Sie können als Folge von Abtreibungserlebnissen auftreten.

Betroffen sind:
  • in erster Linie Frauen (nach einer Abtreibung),
  • Väter abgetriebener Kinder,
  • beteiligte Ärzte und Pflegepersonal.

Das Post-Abortion-Syndrom (Trauma nach Abtreibung) ist weltweit wissenschaftlich untersucht und auch der Öffentlichkeit vorgestellt worden.
Unter dem Post-Abortion-Syndrom versteht man eine Reihe von unterschiedlichen Erscheinungen mit Krankheitswert, deren Ursache man auf vorausgegangene vorgeburtliche Kindstötung(en) zurückführt. Insofern ist das PAS eine Sonderform vom "Post-Traumatic Stress-Disorder (PTSD)". Dies ist eine durch ein schweres Trauma ausgelöste Störung körperlicher und seelischer Funktionen.

Es tritt vor allem
  • nach körperlicher Gewaltanwendung,
  • nach Vergewaltigung,
  • als passive bzw. aktive Teilnahme an einem gewaltsamen Tötungsgeschehen
auf.

Die dabei ausgelösten Abwehrreaktionen können zu auffälligen Verhaltensweisen und ausgeprägten Veränderungen der Persönlichkeit führen. Der Grund dieses Krankheitsbildes ist die Verdrängung des Erlebten. Die Symptome werden manchmal lange nicht als Folge der Abtreibung erkannt.
Reine Psychotherapie ist aufgrund der Erfahrungen von Fachpersonen nicht in der Lage, das Schuldproblem zu lösen. Deshalb erscheint die Verbindung von Psychotherapie und Seelsorge als notwendig. Je nach persönlicher Lebenssituation der Frau können psychosomatische oder psychische Folgeerscheinungen auftreten.

1. Symptome

a) Erscheinungsformen des PAS

Das PAS hat viele Gesichter, die sich vor allem in den seelischen und leibseelischen (psychosomatischen) Folgeerscheinungen ausdrücken. Meist handelt es sich um Funktionsstörungen. Die wichtigsten Erscheinungsbilder posttraumatischer Stress-Verarbeitungstörungen, wie sie beim PAS auftreten, sind:

i) Übererregbarkeit als ob eine ständige Gefahrensituation drohen würde. Charakteristische Zeichen einer derart unangemessenen Abwehrreaktion, die durch die Alternative "Flüchten oder Standhalten" gekennzeichnet ist, sind etwa
  • Reizbarkeit,
  • Angstattacken,
  • aggressives Verhalten,
  • Konzentrationsschwächen,
  • Ein- und Durchschlafstörungen.
ii) Überwältigung von teilweisen oder vollständigen Erinnerungen an das Trauma der erlebten Abtreibung. Sie treten unerwartet und gegen den eigenen Willen in Form von Angstträumen und Zwangsvorstellungen auf, zuweilen an bestimmten Tagen, etc.
iii) Einengung bzw. Beschränkung der Person auf Verhaltensweisen sowie emotionale Situationen, die Belastungen durch das Trauma der Abtreibung verhindern. Das Vermeidensverhalten umgeht die Auseinandersetzung mit intellektuellen, emotional belastenden und realen Aspekten, die mit dem Trauma in Verbindung stehen und führt zu teils unbewusstem Rückzug aus früher geliebten Lebensbereichen, zur Umorientierung des eigenen Lebens bis hin zu selbstdestruktiven Tendenzen und Handlungen.

Neben den Hauptsymptomen kann es zu einer Fülle von psychischen, psychosomatischen und rein körperlichen Folgeerscheinungen kommen (z.B. im Genitalbereich).

b) Das Elliot Institut (in Springfield, USA)

hat unter der Leitung von David C. Reardon 1994 eine Studie veröffentlicht, in der 260 Frauen im Alter von 15 bis 35 aus 35 Staaten Fragen zu ihrer persönlichen Lebenssituation, ihrem Gefühlszustand nach der Abtreibung, ihren Symptomen und Verhaltensänderungen nach der Abtreibung beantwortet haben.

Aussagen über den Gefühlszustand aller Frauen, die abgetrieben haben:

92,60% haben starke Schuldgefühle
91,80% fühlen Reue
91,00% sind beschämt
88,20% leiden unter einer Depression
85,90% fühlen sich wertlos
85,70% können sich selbst nicht verzeihen
83,60% fühlen sich einsam
80,80% fühlen Zorn
5,10% fühlen einen inneren Frieden

Aussagen über die Symptome aller Frauen, die abgetrieben haben:

82,30% verlieren ihr Selbstwertgefühl
75,50% haben einen Verlust des Selbstvertrauens
63,10% klagen über Flashbacks
55,80% haben Selbstmordgedanken
50,80% haben hysterische Weinkrämpfe
46,40% haben Albträume
38,60% leiden unter Essstörungen

Aussagen über Verhaltensänderungen aller Frauen, die abgetrieben haben:

66,00% beendeten die Beziehung mit ihrem Sexualpartner nach der Abtreibung
47,50% sind mehr gewalttätig geworden, wenn sie verärgert waren
40,60% begannen Drogen zu nehmen
36,50% flüchteten in den Alkohol

allgemeine Aussagen aller Frauen, die abgetrieben haben:

86,60% waren sicher, die falsche Entscheidung getroffen zu haben
72,70% gaben an, ihre Entscheidung, abzutreiben, versetze sie in Agonie
60,50% meinten, ihre Entscheidung zur Abtreibung stimme nicht mit ihrer früheren Überzeugung überein
25,80% sind der Meinung, dass Abtreibung eine legale Lösung für alle Frauen sein sollte
60,90% stimmten überein, dass die Abtreibung ihr Leben verschlechterte

c) Psychische Symptome

Ungefähr 80% der Frauen berichten von der schweren psychischen Spätfolgen nach ihrer Abtreibung. Häufig werden dabei folgende Leiden festgestellt:
  • Ca. 35% der Frauen weinen seit der Abtreibung häufiger, ohne einen konkreten Grund dafür angeben zu können.
  • Die Betroffene kann übertrieben schreckhaft sein und an intensiven Ängsten leiden (Gefühl der Hilflosigkeit), reizbar und aggressiv.
  • Zeichen nervlicher Schwäche. wie z.B. Schweißausbrüche, Zittern, Erröten oder Erblassen begleiten die Frau.
  • Albträume bei Tag (sog. "Flashbacks") treten bei 63% der Frauen auf.
  • Oft kommt es zu einem sozialen Rückzugsverhalten und das Gefühl der Vereinsamung macht sich breit.
  • Scham- und Schuldgefühle.
  • Gefühlskälte: Viele Frauen erleben vermehrt Lustlosigkeits- und Ekelgefühle beim Sexualverkehr.
  • Unklare nervliche Erschöpfungszustände.
  • Störungen des Selbstwertgefühls und Essverhaltens.
  • Leer und Ziellosigkeit, Depressionen.
  • Medikamenten-, Alkohol-, Drogenmissbrauch und -abhängigkeit.
  • Daraus ergeben sich Probleme im partnerschaftlichen, beruflichen und sozialen Leben. Es kommt häufig zu Beziehungsstörungen bzw. zum Abbruch der Beziehung.


i) Gram und Schmerz

Verlust muss immer betrauert werden, aber Schmerz ist harte Arbeit. Den Schmerz über den Verlust eines abgetriebenen Kindes durchzustehen, ist schwerer als der eines Schwangerschaftsverlustes, weil
  • die Person selber den Verlust, den sie jetzt betrauern muss, entweder geduldet oder herbeigeführt hat,
  • die Betroffenen keine Möglichkeit mehr haben, den Körper der verlorenen, geliebten Kindes zu sehen oder zu berühren,
  • ihr Denken beeinflusst ist von der maßgebenden öffentlichen Meinung, die besagt, dass "es" kein Baby war und
  • es keinen Menschen in ihrem Umkreis gibt, der entweder dafür ausgebildet oder zugänglich ist, sich ihre Not anzuhören, eben weil dieser Schmerz überhaupt nicht da sein sollte.
ii) Schuldgefühl

Wenn Schuld nicht zugegeben wird, geht die Tendenz meist dahin, sich von dem inneren Aufruhr durch impulsives Kaufen, hektische Aktivität oder übermäßiges Greifen nach Alkohol und Drogen abzulenken.

Wenn Schuld angenommen wird, hat dies depressive Wirkung in Form von Traurigkeit, Weinen, einer negativen Sichtweise und pessimistischen Gefühlen sich selbst gegenüber.

Wenn der Schuld Wichtigkeit zugesprochen wird, kann es ein selbstzerstörerisches Verhalten zur Folge haben (z.B. das Aufritzen von Handgelenken).

Wenn Schuld mit Zorn unterdrückt wird, muss sich die Patientin einen Sündenbock holen, d.h., sie wird die Schuld jemand anderem zuschieben. Oft sind es der Freund (Lebensgefährte) oder Männer im allgemeinen, die dann für Abtreibung und das Unglück von Frauen verantwortlich gemacht werden.

Schuldgefühle kommen in sensiblen oder religiösen Menschen stärker vor, aber sind fast immer in irgendeiner Weise vorhanden.

iii) Angst

Ein Teil des psychischen Konfliktes als Folge von Abtreibung besteht darin, seine eigene Aggressivität zu erkennen. Ein primitiver Todeswunsch hat sich in der Abtreibung ausgedrückt, und er könnte sich wieder melden. Die Angst davor kann so groß sein, dass man alle Formen der Selbstbehauptung unterdrückt.

iv) Zorn und Aggression

Zorn ist die Folge eines Gefühls, um etwas gebracht worden zu sein:
  • um ein Kind,
  • um die mitempfundene Freude, ein empfangenes Kind großzuziehen,
  • um den wirklichen Sinn im Leben,
  • um die Verlängerung und Verewigung seiner selbst in seinen Nachkommen.

Der Zorn richtet sich gegen sich selbst oder andere (Arzt, Mann, Angehörige, etc.). Ein solcher Zorn ist besonders intensiv in jungen Mädchen aus sozial unterprivilegiertem Milieu, die jemanden trafen, der ihr zu einer Abtreibung riet. Die Abtreibung hinterlässt in ihnen ein noch größeres Gefühl der Verlustes und verschärft in ihnen den Wunsch nach einem Baby.

Aggressionen können gegen sich selbst, gegen den Vater oder gegen den Arzt gerichtet sein.

v) Identitätskrise der Frau

Eine Frau, in deren biologischer Veranlagung es verankert ist, zu lieben, Leben hervorzubringen und es zu umhegen, hat nun Leben in sich zerstört. Oft kann sie nicht mehr daran glauben, dass sie eine liebende und fürsorgliche Frau ist. Da sie trotzdem noch versucht eine Frau zu sein, wird sie sich vielleicht als professionelle Fürsorgerin engagieren. Vielleicht sagt sie sich auch, dass sie nie wieder zärtlich und weiblich sein kann und wird dadurch hart, bitter und manchmal auch eine militante Feministin.

vi) Depressionen

Frauen, die nicht die Möglichkeit haben, genügend Trauerarbeit bei Schwangerschaftsverlusten zu leisten, können:
  • weitreichende Verdrängungs- und Verteidigungsmechanismen entwickeln
  • psychosomatische Leiden entwickeln oder
  • depressiv werden.

Depression lässt sich dahin definieren, dass ein Schmerz so umfassend ist, dass er die Psyche einer Person verändert.

vii) Selbstmordgedanken

Wenn keine endgültige Befreiung aus diesen krankhaften Verhaltensweisen in Sicht ist, kommen Frauen immer wieder auf suizide Gedanken und unternehmen vielleicht sogar Selbstmordversuche. Versuche, sich das Leben zu nehmen, sind im Grunde Hilfeschreie von verzweifelten Menschen, die keine anderen Ausweg mehr sehen.
Generell ist das Risiko im ersten Jahr nach der Schwangerschaft zu sterben bei Frauen die abgetrieben haben 3,5 x höher als bei denjenigen, die ihr Kind ausgetragen haben. Bei 27% dieser Frauen ist die Todesursache Selbstmord, aber auch die Unfallhäufigkeit steigt, wie die finnische Studie zeigt.

d) Psychosomatische Symptome

Diese können im Genitalbereich auftreten, wobei die sogenannte Organsprache auf Auslöser im Zusammenhang mit Sexualität und Fortpflanzung hinweist. Dabei handelt es sich um
  • funktionelle Unterbauchschmerzen, die ohne nachweisbare organisch-körperliche Veränderungen auftreten,
  • funktionelle Blutungsstörungen (Blutungsunregelmäßigkeit),
  • funktionelle Sexualstörungen (Libidoverlust, Anorgasmie, Frigidität),
  • Menstruationsbeschwerden (z.B. schmerzhafte Regelbeschwerden),
  • psychogener Ausfluß (als "vaginale Träne" bezeichnet),
  • psychogener Juckreiz,
  • chronische, durch gezielte Behandlung nachgewiesener "Erreger" nicht behandelbarer Infektionen der Scheide.

Insbesondere bei der Verdrängung kommt es zu einer Somatisierung und zur körperlichen Ausprägung zunächst vegetativer (funktioneller) Störungen. Die Krankheitssymptomatik kann als Strafe f¨r die Abtreibung empfunden werden.

Psychosomatische Folgen können auch an anderen Organsystemen des Körpers auftreten:
  • Migräne, Schlafstörungen,
  • Stuhlbeschwerden, Durchfall, Verstopfung,
  • funktionelle Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes,
  • Anorexie (Magersucht) oder Bulimie (Esssucht),
  • Jahrestagreaktion (intensiveres Auftreten der Beschwerden).

Diese Erscheinungen machen es für den Arzt oft schwer, einen Zusammenhang mit der erlebten Abtreibung zu entdecken.

Möglicher Grund für psychosomatische Störungen

Im Menschen sind natürliche und sich wiederholende Rhythmen, die eine komplette Schwangerschaft mit einschließen. Wenn die Stillzeit des Babys zu Ende ist und die Hormone sich zurückentwickeln, löst sich auch allmählich das Gewebe auf. Wenn so ein hormoneller Ablauf plötzlich durch eine Abtreibung unterbrochen wird, gibt es Anzeichen dafür, dass man für Brustkrebs in zunehmenden Maße anfällig wird. Die plötzliche Unterbrechung des hormonellen Zyklus hinterlässt in der Mutter zudem oft Gefühle der Leere und Ziellosigkeit, die leicht zu Depressionen führen.

e) Rein physische Folgen

i) Unmittelbare Folgen:

Die unmittelbaren Folgen und Erkrankungen der Frau nach einer Abtreibung zählen nicht zum PAS, sondern zu den Kurz-, Mittel- und Langzeitfolgen des chirurgischen Eingriffes oder des Abtreibungsmittels. Es wird unterschieden zwischen den Frühkomplikationen nach der Abtreibung und den Spätfolgen. Zu den Frühkomplikationen zählt man
  • Narkosezwischenfälle,
  • operationsbedingte Verletzungen der Gebärmutter,
  • Blutungen,
  • und sehr selten mütterliche Todesfälle.
ii) Langzeitfolgen:

  • Verwachsungen im Unterleib und der Eileiter,
  • Menstruationsstörungen,
  • Unfruchtbarkeit (oft als Folge von Infektionen),
  • Neigung zu Früh- und Fehlgeburten,
  • erhöhte Rate an Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft,
  • Störungen der Harnblase und des absteigenden Dickdarms,
  • Einnistungsstörungen.
  • Chronischer Schmerz wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus. Somit wird auch das Risiko von Infektionen und Krebs (besonders Brustkrebs) erhöht.

Zu den folgenden Zeiten kann der Schmerz verstärkt auftreten:
  • unmittelbar nach dem Eingriff,
  • in den ersten Wochen nach der Abtreibung,
  • um den errechneten Geburtstermin,
  • ein Jahr nach der Abtreibung,
  • nach der Geburt eines Kindes in der Familie oder im engeren Bekanntenkreis
  • und ganz massiv in den Wechseljahren.

Die genannten psychischen und psychosomatischen Erscheinungen sind also keine unmittelbaren Folgen, sondern treten mitunter erst nach vielen Jahren in Form einer seelisch und/oder körperlichen Erkrankung in Erscheinung. Daher kann man lediglich vage Angaben über die Häufigkeit dieser Erscheinungen nach vorausgegangenen Abtreibungen machen. Außerdem hängen das Erkennen der beobachteten Erscheinungen und Häufigkeitsangaben vom Beruf, der fachlichen Qualifikation des Untersuchers, der Art der Erhebung (z.B. tiefenpsychologisch orientiertes Interview oder Befragung per Fragebogen), aber auch von der Einstellung des Untersuchers zur Abtreibung ab.

f) Die Entwicklung von Konflikten im Umfeld von Abtreibung

i) Triebe und Gefühle

Obwohl Triebe und die meisten Gefühle organisch vorbestimmt sind, sind Druck von außen und darum einige Gefühle, die mit Schwangerschaften verbunden sind, sehr gemischt. Sie schwanken schnell und weitgehend. Der ganze Zeugungsprozess ist umgeben von Zwiespältigkeit. Es ist praktisch für niemanden möglich, mit absoluter Sicherheit jederzeit sagen zu können, dass sie sich nur einen Ausgang für die Schwangerschaft erwünschen. Die Richtung, für die sich eine Person letztlich entscheidet, hängt von vielen Faktoren ab:
  • Reifungsprozess oder das Reifestadium,
  • Hormone,
  • Kindheitserfahrungen,
  • gesellschaftlicher Sittenkodex,
  • Charaktereigenschaften
  • und individuelle, ethische Grundsätze.
ii) Krise

Eine Schwangerschaft kann positive und negative Veränderungen in den Eltern herbeiführen. Sie werden sehr wahrscheinlich negativ ausfallen, wenn folgende Faktoren vorliegen:
  • Abwertung der Eltern: "Du bist doch noch ein Teenager" oder "Keiner mit deinem Hintergrund kann eine gute Mutter/ein guter Vater sein!"
  • Abwertung von Kindern und damit auch des Wertes, sie großzuziehen: "Wer will denn noch ein Hungermaul mehr stopfen, die Welt ist sowieso schon überbevölkert!"
  • Ungelöste persönliche und zwischenmenschliche Konflikte: "Meine Mutter hat mich nie wirklich geliebt, wie kann ich dann ein Baby lieben?" oder "Wir haben sowieso schon eine sehr gespannte Beziehung. Dies wird alles noch schlimmer machen!"
  • Entwicklungsbedingte und emotionale Defizite, die durch die Schwangerschaft intensiviert werden: "Ich kann ein Baby nicht füttern und auch noch darauf aufpassen. Ich habe nie genug zu essen bekommen." Oder: "Vielleicht, wenn ich das Baby füttere, wird es so glücklich sein, dass ich mich weniger einsam und verlassen fühle. Wenn es dann vor Genugtuung lacht, werde ich mich innerlich so gut fühlen, als ob ich selbst gefüttert worden wäre."
  • Androhung eines Liebesverlustes führt zur Abneigung: "Werde bloss den Fötus los, sonst wirst Du mich nie mehr sehen!"
  • Gesellschaftliche Anti-Leben Rhetorik: "Es ist das Recht der Frau, zu wählen. Der Bauch gehört mir. Lass dich von Männern nicht ausnützen. Es ist sowieso nur ein Klumpen. Du brauchst deshalb nicht gleich ein schlechtes Gewissen haben."
  • Materialismus: "Ich muss unbedingt dieses Haus noch renovieren lassen und dann ein neues Auto kaufen. Danach werde ich mir ein Kind anschaffen."
  • Egoismus: "Erst muss ich mit meiner Karriere fertig sein und dann einen Job bekommen. Ich werde doch einem kleinen Knirps nicht erlauben, mir meine Pläne zu versauern."
  • Mangel an Identität: "Ich weiß nicht, wer ich selber bin, wie kann ich da ein Kind haben?"
  • Gesetzliche Billigung für einen Schwangerschaftsabbruch: "Ich denke, Abtreibung ist o.k. Es gibt ja kein Gesetz dagegen."
iii) Schock

Um ein Kind abzutreiben, muss man erst seine eigenen Gefühle und natürlichen Instinkte abwürgen und dem Kind seine Menschlichkeit absprechen. Wenn das einmal geschehen ist, dann beginnt der Rationalisierungsprozess gegen die innere Moralität - gegen jenes Wissen um ein inneres Naturgesetz. Der Schmerz aber katapultiert die Betroffenen in die Wirklichkeit, und dann ist es schwer, das Geschehene zu verheimlichen.
Mit der Abtreibung stellt sich die Frage: "Passiert es wirklich? Kann nicht jemand bitte alles stoppen? Ich kann nicht verstehen, was ich tue!" Während der Abtreibung verschärfen sich die Sinneswahrnehmungen für alle Details. Frauen erinnern sich an den Tonfall, die Farbe des Raumes, die Kälte der Möbel, etc.

iv) Krankhafte Rekonstruktionsarbeit

Nach der Gefühlslähmung bemühen sich die Beteiligten an einer Abtreibung mit allen Mitteln, ihr Leben wieder neu in den Griff zu bekommen. In dieser Zeit sind Verleugnung, Rationalisierung und Unterdrückung ihre Hauptverteidigungsmechanismen. Oft versuchen sie zunächst, das Geschehen mit viel gesellschaftlicher Aktivität oder mit viel Arbeit aus ihrem Bewusstsein auszuschalten.

v) Zusammenbruch des Verteidigungssystems

Eine solche Lebenskonstruktion, wie sie im vorigen Punkt geschildert wurde, wird bei der betroffenen Frau dann fehlschlagen, wenn
  • jemand zuviel Zeit mit sich selber verbringt,
  • irgendein Funke in ihrer Umgebung die Erinnerung an die Abtreibung oder ihren Jahrestag wieder anfacht,
  • sie müde und krank wird,
  • sie während einer ruhigen Unterhaltung mit einem Freund oder Familienangehörigen auf die Grausamkeit der Abtreibung aufmerksam wird,
  • sie ein Baby sieht, das im gleichen Alter ist, in dem ihr eigenes jetzt sein würde oder
  • sie schwanger wird.

g) Männer und Schwangerschaftskonflikte

Ein häufiger Abtreibungsgrund liegt darin, dass sie sich von ihren Partnern allein gelassen fühlen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Psychosomatische Medizin der Technischen Universität in München. Männer seien meist über die Abtreibung erleichtert, wollen aber bewusst die ganze Angelegenheit so schnell wie möglich vergessen.
Die Psychologin Helga Röder nennt als Ergebnis verschiedener Untersuchungen, dass in 80% aller Fälle der männliche Partner ausschlaggebend für die Entscheidung zur Abtreibung ist. Berater wissen aus Erfahrung, dass Männer sehr selten zur Schwangerschaftskonfliktberatung mitkommen. Manche Frauen sind darüber sehr ärgerlich, fühlen sich im Stich gelassen und äußern auch deutlich ihre Enttäuschung.
Andere Frauen kommen ganz bewusst ohne Partner, weil sie zu großen Druck von ihm befürchten. Dieser Druck ist in der Regel ein Drängen auf Schwangerschaftsabbruch. Es kann aber durchaus sein, dass vom Mann der Wunsch kommt, dass das Kind am Leben bleiben soll.

Einer nationalen Umfrage zufolge erfahren nicht einmal mehr als die Hälfte aller Väter - verheiratete Männer eingeschlossen - dass ihre ungeborenen Kinder abgetrieben werden.

Während Feministen absolute Kontrolle über ihre Entscheidungen über Abtreibung verlangen, missachten sie kaltblütig die Gefühle und Bedürfnisse der Männer, die sie aus dem Prozess mit eisiger Bestimmtheit ausschließen. Während sie verlangen, dass Männer "feinfühliger" und "liebevoller" sein sollen, fordern sie, dass Männer in der Entscheidung über das Leben oder den Tod des Kindes kein Sagen haben.

Der Statistiker Arthur Shostak befragte 1.000 Männer, die in den Abtreibungszentren im Warteraum saßen, während ihre Frauen und Freundinnen abtreiben ließen. Er bearbeitete und analysierte ihre Antworten auf seine Fragen über ihre Gefühle und kam zu den folgenden Ergebnissen:

42% der Lebensgefährten hatten angeboten, die Frau zu heiraten;
25% von denen, die keine Heiratsantrag machten, boten an, für den Lebensunterhalt des Kindes zu sorgen;
39% der Männer glaubten, dass das Leben bei der Empfängnis beginnt oder wenn das Nervensystem zu funktionieren beginnt;
26% glaubten, dass Abtreibung die "Tötung eines Kindes" ist.

Die meisten Männer boten an, die Kosten für die Abtreibungs-"Prozedur" zu übernehmen, ungeachtet dessen, wie sie über Abtreibung dachten. Shostaks Studie ergab eine weite Bandbreite der Emotionen unter den Männern, was nicht verwunderlich ist. Sie
  • fürchteten um die Gesundheit der Frauen,
  • fühlten sich schuldig wegen der Abtreibung oder der Schwangerschaft,
  • empfanden Selbstzweifel, auch Angst und Schmerz wegen des Verlustes ihrer Kinder und wegen der gesamten Abtreibungs-"Erfahrung".

Der Psychologe Arnold Medvene der University of Maryland sagt: "Abtreibung ist eine der schwerwiegenderen Todeserfahrungen, die Männer durchmachen. Sie erweckt sehr wichtige, sehr grundlegende Fragen, Erinnerungen und Gefühle."

Wenn Männer absichtlich und systematisch aus solch wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen werden, müssen sie irgendeine Haltung setzen, um ihre Frustration loszuwerden. Klinische Studien haben gezeigt, dass Männer zornig werden, wenn sie absichtlich aus einer wichtigen Entscheidung, die ihre eigene Familie betrifft, ausgeschlossen werden. Sie fühlen sich dann betrogen und manipuliert. Der Mann wird vielleicht nicht zur Zeit der Abtreibung seinen Ärger zeigen, aber es wird sich allmählich im "Herumhacken" bemerkbar machen - in einem Prozess von ärgerlichen Reaktionen auf Situationen, die er mit der Abtreibung verbindet. Mit anderen Worten, er wird möglicherweise starke Emotionen aufkommen spüren, wenn er ein Kind sieht, das im selben Alter ist, wie sein abgetriebenes Kind gewesen wäre, oder wenn er eine schwangere Mutter sieht. Die Art Reaktion erinnert bemerkenswert an jene bei Frauen, die am PAS leiden.

Am häufigsten jedoch reagiert ein Mann auf eine Abtreibung, die gegen seinen Willen durchgeführt wurde, indem er seine Frau oder Freundin verlässt. Eine Studie ergab, dass drei Viertel der Beziehungen schon bald nach der Abtreibung in Brüche ging.

2. Heilungsprozess

Viele Frauen reagieren auf Abtreibung durch Verdrängen, durch Verharmlosung oder Projektion. Erst die bewusste Auseinandersetzung mit der Tötung des Kindes und die Anerkennung der Fakten kann jedoch Erleichterung bringen. Gewöhnlich läuft der Mechanismus der Konfrontation in mehreren Phasen ab.

a) Erste Phase

Die Frau versucht zu ihrer Schuld zu stehen, verdrängt nicht, projiziert nicht und rechtfertigt sich nicht. Sie empfindet Reue über die Tötung ihres ungeborenen Kindes und beginnt mit der Trauerarbeit. Diese besteht an dem Aussprechen und damit Wiedererinnern des traumatischen Erlebens (Gedanken, Sinneswahrnehmungen, körperlichen Reaktionen) und des Affekts, der sie begleitet hat. Dieses ausführliche und genaue Erzählen, oft begleitet von heftigem Weinen, soll dazu führen, dass die Frau den schweren Verlust, den sie erlitten hat, erkennt und dass sie diesen Verlust des Kindes letztlich auch akzeptieren kann. Hier werden auch ihre Gefühle gegenüber Mitverantwortlichen zum Ausdruck gebracht.

b) Zweite Phase

Die Frau muss lernen, die Tatsache, dass sie abgetrieben hat, aufzuarbeiten.
Beispielsweise wird in Selbsthilfegruppen für betroffene Frauen versucht, das Thema zu enttabuisieren und offen zu besprechen. Hier können Frauen sich auch mit ihren abgetriebenen Kindern "versöhnen". Dazu ist es notwendig, das getötete Kind als Person zu erkennen. Manchmal hilft es, dem Kind einen Namen zu geben, wodurch die Beziehung zum Kind konkreter, fassbarer wird. Es besteht die Möglichkeit, das Kind symbolisch zu begraben und dadurch das Abschiednehmen zu verbildlichen. Hilfreich kann auch sein sich eine Vorstellung zu machen, wo das Kind jetzt ist. Sehr tröstlich empfinden religiöse Frauen die Vorstellung, dass das Kind "im Herrn lebt".
Die Versöhnung und Vergebung ist wohl der schwierigste Schritt in diesem Prozess. Durch den Akt der Vergebung können der Zorn überwunden und der Schmerz vermindert werden. Die Frau muss versuchen, den "Mittätern" zu verzeihen und auch selbst um Verzeihung bitten (das Kind, event. Gott). Wenn Frauen im Rahmen eines Beichtgespräches die Vergebung zugesagt wird, müssen sie trotzdem auch noch lernen sich selbst zu verzeihen. Für die Heilung psychischer Verletzungen ist es wichtig, dass auch geeignete psychotherapeutische Methoden miteinbezogen werden.

c) Dritte Phase

"Tragfähige" Beziehungen werden von der Frau wieder erneuert und hergestellt. Die Frau entwickelt einen Neuanfang für ihr Leben. Aus jedem Fehler kann man lernen und er birgt eine Chance in sich. So wird eine Neubewertung des Lebens möglich und das gesunkene Selbstwertgefühl der Frau wieder gestärkt.

Die Frau versucht in dieser letzten Phase die Tötung ihres Kindes wieder gut zu machen. So kommt es im Leben dieser Frauen immer wieder zu Phasen, in denen sie die Abtreibung nochmals erleben und psychisch nachvollziehen. Manche begehen den "Jahrestag der Abtreibung" mit einer guten Tat und laden z.B. ein Kind aus dem Kinderheim zu sich ein. Andere Frauen versuchen ein Kind zu adoptieren, weil sie meinen, durch Adoption Psyche und Gewissen zu erleichtern.

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